Eröffnung des Workshop zum Einsatz von Multimedia an den Berliner Hochschulen am 28.02.1999 im Fachbereich Informatik der Humboldt-Universität in Berlin - Adlershof

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich danke Ihnen, daß Sie meiner Einladung gefolgt sind und begrüße Sie zu unserem Workshop zum Einsatz von Multimedia an den Berliner Hochschulen hier in Berlin-Adlershof. Mein Dank gilt dem Gastgeber, den Präsidenten der Humboldt-Universität, Herrn Kollegen Meyer, dem Direktor des Instituts für Informatik, Herrn Kollegen Malek, für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und dem Direktor des Rechenzentrums, Herrn Dr. Schirmbacher, für die Schaltung der Video- und Datenverbindung zwischen Berlin-Mitte und unserem Veranstaltungsort sowie der Einstellung dieser Veranstaltung Online ins Internet (leider noch nicht als Konserve, das erfordert wohl noch etwas Projektarbeit bzw. zusätzliche Finanzierung, wie ich mir habe sagen lassen).

"Multimedia" im Bereich der Lehre an Hochschulen ist inzwischen weltweit ein Thema von herausragender Bedeutung, man diskutiert bereits über die virtuelle Universität, Verlage und Netzprovider erhoffen Geschäfte, der Steuerzahler Entlastung bei der Finanzierung von Hochschulbudgets durch preiswerte und - versteht sich - inhaltlich gehaltvolle, didaktisch exzellente Lehrkonserven. Auch in der Bundesrepublik Deutschland, deren Bevölkerung ja den sich rasant entwickelnden Möglichkeiten von Internet und neuen Medien bislang eher zurückhaltend gegenübersteht, haben sich inzwischen zahlreiche Initiativen zur Entwicklung und Erprobung dieser Werkzeuge im akademischen Unterricht herausgebildet. Der Senat von Berlin will mit seiner breit angelegten strategischen Offensive "Der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft" einen aktiven Beitrag zum Aufbruch ins Informationszeitalter leisten. Eines der dabei vorgeschlagenen Projekte ist "berlin univers", welches schon von meinem Vorgänger im Amt, Herr Kollegen Thies, auf den Weg gebracht wurde. Auf seine Anregung hin wurden auch Multimedia-Beauftragte an den Berliner Hochschulen benannt. Mit Beginn meiner Amtstätigkeit als Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung im Oktober 1998 habe ich den Einsatz der neuen Medien in Hochschulen und Verwaltung zu einem Schwerpunkt der Aufmerksamkeit unseres Hauses gemacht.

In der heutigen Veranstaltung möchte ich die Diskussion weiterführen und dazu beitragen, dass die aktuelle Entwicklung allen Interessierten und Betroffenen möglichst zeitnah kommuniziert, und soweit möglich auch beschleunigt wird. Dass dies dringend notwendig ist, wurde mir u.a. vor einigen Tagen in der Beratung einer sog. "länderoffenen" Staatssekretärs-Arbeitsgruppe "Multimedia im Hochschul-wesen" der BLK wieder einmal deutlich vor Augen geführt: In der synoptischen Darstellung von Multimedia-Aktivitäten aller Bundesländer sind die Berliner Hochschulen bislang noch deutlich unterrepräsentiert. Ich gehe davon aus, dass dies, wie so oft bei der Außenwirkung Berlins, überwiegend ein Darstellungsproblem ist. Die heutige Veranstaltung wird dies gewiss deutlich machen. Denn wir werden heute vier herausragende Beispiele für den Einsatz von Multimedia in der Lehre kennenlernen, an deren Entwicklung Berliner Wissenschaftler und Berliner Hoch-schulen ganz maßgeblich beteiligt sind.

Über die Notwendigkeit, sich den gesellschaftlichen und kulturellen Herausforderungen der neuen Medien zu stellen, herrscht unter den Experten weltweit Einigkeit und bedarf in diesem Kreis von Fachvertretern wohl keiner weiteren Erläuterung. Praktisch alle damit offiziell befaßten Gremien der Bundesrepublik, vom Technologierat über Wissenschaftsrat, Kultusministerkonferenz, Hochschulrektorenkonferenz und bis hin zur Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung sind Empfehlungen ergangen, wurden Arbeitsgruppen gebildet, welche die inhaltlichen, didaktischen, rechtlichen, technischen und kommerziellen Rahmenbedingungen für den Einsatz medial gestützter Lehr-Lernsysteme in der Hochschule prüfen, und die sich daraus ergebenden Chancen und Möglichkeiten abwägen und Vorschläge für erfolgversprechende Konzepte und Modelle erarbeiten. Die Erwartungen dieser Gremien an entsprechende Realisierungen durch die Länder und deren Hochschulen sind groß. Das Leitmotiv heißt: Chancen, Innovationen und Herausforderungen der Informationsgesellschaft!

Für die Hochschulen des Landes Berlin (und damit für uns als zuständige Senatsverwaltung) stellt sich die Frage, welchen Beitrag die Berliner Hochschulen für diesen Zukunftsmarkt leisten können und wollen. Die Berliner Medien-, Informations- und Kommunikationsbranche ist eine der wenigen wirklich florierenden, zukunftfähigen Branchen (etwa 6.000 Unternehmen mit ca. 70.000 Beschäftigten haben einen Umsatz von ca. 20 Mrd. DM). Eine Fülle von Multimedia-Angeboten an den Berliner Hochschulen (Studienangebote, Weiterbildungsangebote, Traineeprogramme und Forschungsprojekte) illustriert das Potential, welches es jetzt aktiv zu erschließen gilt. Eine durch in unserem Haus angefertigte Analyse der bereits bestehenden Studiengänge im Medienbereich an den Berliner Universitäten und Fachhochschulen dokumentiert die Leistungsfähigkeit der Berliner Hochschulen auf diesem Gebiet.

Eine Förderung des Mulitmedia-Einsatzes in den Hochschulen erfolgt gegenwärtig durch die Umsetzung des Hochschulsonderprogramms III. Für die Jahre 1997 bis 2000 haben wir den Berliner Hochschulen für das Teilprogramm "Fernstudium/ Multimedia/Bibliotheken" 15 Mio DM zur Verfügung gestellt. Es ist Sache der Hochschulleitungen, diese Mittel gezielt zur Anschubfinanzierung und Durchführung attraktiver, zukunftsweisender Projekte einzusetzen. Wir würden uns wünschen, wenn die Hochschulen diese Mittel nicht nur für die Beschaffung von Hardware und die Erarbeitung von Präsentationen im Internet nutzten, sondern stärker als bisher für die Erarbeitung von multimedialen Studienangeboten einsetzten.

Ich denke, daß ich auch kein Geheimnis aus den derzeit laufenden Vertragsverhandlungen zwischen dem Senat und den Berliner Hochschulen ausplaudere, wenn ich Sie darüber unterrichte, daß die Einführung von Multimedia in der Lehre, speziell auch unter Nutzung des Projekts "berlin univers", ein wichtiges Element der gewünschten Studienreform bei den aktuell verhandelten Verlängerung der Hochschulverträge für die Jahre 2001 und 2002 ist.

Ich erwähnte schon, die ressortübergreifende Landesinitiative "Projekt Zukunft - Der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft" des Berliner Senats. Dieses Projekt soll den Einsatz von innovativen Informationstechnologien in Unternehmen, privaten Haushalten und im öffentlichen Sektor unterstützen. Ziel dieser Initiative des Landes Berlin ist es, den Strukturwandel in der Stadt hin zur Informationsgesellschaft zu beschleunigen. Durch die Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft mit Hilfe der Medien- und Kommunikationstechnologien soll die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes Berlin gestärkt werden. In fünf strategischen Aktionsfeldern werden die Aktivitäten gebündelt. Das für uns wichtigste Aktionsfeld ist der Fachkreis "Berlin - Stadt des Wissens". Zu den wesentlichen Kernaufgaben des Fachkreise gehören:

· Qualifizierungsbedarf befriedigen, Bildungs-Know-How exportieren
· Neue Bildungsinhalte entwickeln, Medienkompetenz erweitern
· Wissensbasis durch Vernetzungen erweitern, neue Transferketten für Wissen aufbauen
· Berlin als Wissens-Metropole etablieren

Innerhalb dieses Fachkreises wurden zunächst vier Leitprojekte erarbeitet. Das Projekt "berlin univers" betrifft unmittelbar die Berliner Hochschulen. Professor Hendricks von der Technischen Universität wird uns nachher in seiner Funktion als Vorsitzender des Vereins "berlin univers" die Zielsetzung des Leitprojektes erläutern. Ich bin gespannt auf seine Darstellung der Zusammenarbeit innerhalb und zwischen den Berliner Hochschulen im Bereich des akademischen Lernens und Lehrens mit multimedialen und telematischen Mitteln. Die Ergebnisse dieses Projekts sollen darüber hinaus auch einem breiten öffentlichen Anwenderkreis zu Gute kommen - und soweit ich es verstehe - schlussendlich auch zu Einnahmen für die beteiligten Hochschulen führen. Ganz im Sinne des Zeittrends, demzufolge sich Hochschulen als Unternehmen am Bildungsmarkt verstehen sollen. Wir werden dann über die weitere Vorgehensweise bei der Nutzung von Multimedia in der Lehre an den Berliner Hochschulen gemeinsam beraten.


Vorschlag für TOP 2: Präsentation von Multimedia-Projekten (mit Diskussion)

Doch zunächst möchte ich die Präsentationen von Multimedia-Projekten ankündigen.

Es wird beginnen Herr Dr. Deplanque von der Fachinformationszentrum Chemie GmbH Berlin (FIZ Chemie Berlin). Mit einem innovativen Konzept für eine neue Form des Chemiestudiums hat das FIZ Chemie Berlin einen Ideenwettbewerb des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) gewonnen. "Vernetztes Studium - Chemie" sieht die Entwicklung von interaktiven Wissensbausteinen und Informationswerkzeugen vor, die zum überwiegenden Teil in Multimediatechnologie produziert und über das Internet bereitgestellt werden. 16 Hochschullehrer von 13 deutschen Universitäten aus acht Bundesländern arbeiten unter Federführung des FIZ Chemie Berlin an diesem Entwicklungsprojekt.

Daran anschließend wird Herr Professor Siegel von der Technischen Fachschule Berlin ein weiteres Leitprojekt des BMBF die "Virtuelle Fachhochschule für Technik, Informatik und Wirtschaft" vorstellen. Die Technische Fachhochschule ist im Rahmen dieses Projektes Mitglied eines Konsortiums aus 12 Fachhochschulen in sieben Bundesländern, zwei Universitätsinstituten sowie mehreren privaten Unternehmen. Die Koordinierung hat die Fachhochschule Lübeck übernommen. Zu den Zielen der Virtuellen Fachhochschule gehört, die Möglichkeiten des Internets für die Lehre zu nutzen und dabei neue Formen des Lehrens und Lernens zu erproben. Hierzu zählen beispielsweise die gemeinsame Durchführung von Lehrveranstaltungen und der Austausch von multimedialen Lehrmaterialien. Ermöglicht werden soll die wechselseitige Anerkennung der Angebote von zunächst zwei ausgewählten Studiengängen: Informatik (Schwerpunkt Medien) und Wirtschaftsingenieurwesen.

Für den dritten Vortrag hat sich Herr Professor Coy, Multimedia-Beauftragter der Humboldt - Universität die Überschrift gewählt: "Mulitmedia und Netze: Gibt es endlich die Technik des lebenslangen Lernens?". Mit Mulitmedia-Technik und offenen Rechnernetzen werden neue Akzente der Forschung und der Lehre sichtbar. Langfristig wird dies nicht ohne inhaltliche Auswirkungen auf Forschung und Lehre bleiben. Herr Professor Coy wird berichten, daß multimediales, interaktives Lernen über das Internet in nahezu allen Studiengängen der Humboldt-Universität erprobt wird - von den Wirtschaftswissenschaften und Kulturwissenschaften bis zu Pädagogik und Bibliothekswissenschaften, Linguistik und Informatik. Gerade die Informatik sieht sich nach ihrem Umzug hier nach Adlershof vor der Herausforderung, Lehre an beiden Standorten Hauptgebäude in Berlin-Mitte und Berlin-Adlershof anbieten zu müssen. Die vorhandenen Hochleistungsdatenleitungen werden künftig für eine verteilte Lehre über Internet und Audio- und Videoprojektion genutzt. Professor Coy wird uns dies im Rahmen seines Vortrages erläutern und demonstrieren.

Herr Professor Hendricks, Projektleiter und 1. Vorsitzender des Vereins "berlin univers" wird über das Konzept und die ersten Ergebnisse in der sogenannte "Vorphase" zu berichten. Wir haben das Vorhaben "berlin univers" begleitet und unterstützt. "Berlin univers" scheint uns ein realistischer Ansatz zu sein, mit welchem die einschlägigen Experten aus den Berliner Hochschulen zusammengeführt werden können, um Multimedia-Instrumente zu entwickeln und zu erproben. Mit Hilfe geeigneter Beispiele sollte es möglich sein, eine breitere Akzeptanz der neuen Medien für den Hochschulalltag zu erzielen. Herr Professor Hendricks wird uns über seine Kontaktaufnahme mit den Hochschulleitungen, Fachbereichen und Instituten informieren und über seine Bemühungen berichten, potente Kooperationspartner aus Wirtschaft, Verwaltung, Verlagen, Verbände und Behörden für die Mitarbeit und Mitfinanzierung des Projekts zu gewinnen. Von besonderen Interesse für alle Beteiligten und potentiellen Partner werden Ihre Informationen über den aktuellen Stand der Projektförderung durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft und Betriebe sein.