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Staatssekretär Prof. Dr. Ingolf V. Hertel : Grußwort
Eröffnung des "Forum mediale - New Media City Berlin" im Rahmen von "Schaufenster der Wissenschaft" Forschungsmarkts Berlin, 21. Juni 1999, Wissenschaftsforum Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf unserem Weg in eine Wissensgesellschaft wird Information zum strategischen Rohstoff, Wissen zum wichtigsten Produktionsfaktor. Die neuen Informations- und Kommunikationsmedien machen das globale Gesamtwissen an jedem Ort und zu jeder Zeit verfügbar - sie schaffen eine beispiellose Fülle an Daten und Informationen. Die Fähigkeit, Informationen zu selektieren, zu nutzen und Wissen zu systematisieren wird damit zu der Schlüsselqualifikation in der Informationsgesellschaft.

Mit diesem Zitat aus der Homepage der Initiative BIG (Bildungswege in die Informationsgesellschaft) zweier bedeutender Stiftungen im Mediengeschäft begrüße ich Sie sehr herzlich zu unserer heutigen Veranstaltung.

Für das Neue Berlin als Stadt des Wissens könnte in der Tat die Fähigkeit, Informationen zu selektieren, zu nutzen und Wissen zu systematisieren zu der Schlüsselqualifikation im weltweiten Wettbewerb werden. Hier sind unsere Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstitute in besonderem Maße aufgerufen, herausragendes zu leisten! Wir eröffnen heute das "Forum mediale - New Media City Berlin" im Rahmen der Reihe "Schaufenster der Wissenschaft". In den kommenden 9 Tagen will Ihnen der Forschungsmarkt Berlin in einer breit angelegten, multimedialen Leistungsshow eine Ahnung davon vermitteln, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen wird.

Nach Themen "Verkehrstechnologie - Heute erfinden, was uns morgen bewegt" und "Forschung für die Kunst" im Zeughaus beschäftigt sich "Forum Mediale" als das drittes "Schaufenster der Wissenschaft" mit den Themen aus dem Cyber-Space, mit Virtual reality und Webdesign. Die Veranstaltung findet erstmals im Rahmen eines konzertierten Sommerprogramms "Berliner WissensWerte" statt, wo ressort-, einrichtungs- und disziplinübergreifend Berliner Wissenschaft zum Erleben und Anfassen gebotenen wird.

Die Reihe "Schaufenster der Wissenschaft" will letztlich einen Berliner Beitrag zu der aktuellen, weltweiten Bewegung PUSH leisten - ein symbolträchtiges Akronym für "Public Understanding of Science and Humanities". Es geht darum, besonders aktuelle und interessante Themen auf verständliche Art aufzubereiten und zu popularisieren, ohne dabei oberflächlich oder gar unkorrekt zu werden - also komplementär zu spezialisierten Fachkongressen oder Fachmessen in die Breite zu wirken. Mit "Forum Mediale" wird folgerichtig - quer durch Berliner Universitäten, Museen, Bibliotheken und Operationssäle - gezeigt, was die Hauptstadt an kommunikativen Leistungen der Informationsgesellschaft zu bieten hat. Wenn Sie so wollen, erlaubt Forum Mediale für den Bereich Wissenschaft, Forschung und Kultur einen ersten öffentlichen Blick über den Zaun auf den Berliner Weg in die Informationsgesellschaft. Sie werden dies vermutlich ja wissen, unter diesem Titel will der Senat einen strategischen Beitrag zum Aufbruch ins Informationszeitalter leisten. Auch in meiner Verwaltung, wie in den Hochschulen und Instituten, wird der Einsatz neuer Medien zu einem Schwerpunkt der Aufmerksamkeit gemacht.

Welcher Ort wäre für die Auftaktveranstaltung besser geeignet, als das neue Wissenschaftsforum hier am Gendarmenmarkt, an einem von Europas schönsten Plätzen! Ist es doch geradezu das Selbstverständnis des Wissenschaftsforums, so etwas wie ein überregionales Schaufenster der deutschen Wissenschaft und ein Ort der Kommunikation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit zu sein. Und wenn im Erdgeschoss dieses schönen neuen Gebäudes - in guter Nachbarschaft zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften - eine Sparkassenfiliale ihre Heimstadt gefunden hat, dann mag dies ja ein - vielleicht etwas ungewolltes - Symbol dafür sein, wie wichtig Wissenschaft und deren Präsentation gerade für die wirtschaftliche Prosperität unserer modernen Gesellschaft in der Tat ist. - Man hat mir aber versichert, dass daran gearbeitet wird, den Hinweis auf diese Wechselbeziehung zumindest an diesem Ort etwas dezenter zu gestalten und statt dessen die noch ein wenig marode Fassade des Akademiegebäudes aufzupolieren, so dass ehrwürdig nicht mit schäbig verwechselt werde.

Forum Mediale will mit den Schwerpunkten Multimedia-City Berlin - ein Forum für die Eigendarstellung des Neuen Berlin -, Interaktive Telemedizin, Multimedia in Kunst und Kultur und Multimedia in der Lehre Berliner Initiativen rund um den Einsatz der neuen Medien in dieser Stadt beispielhaft darstellen. Ich hoffe, dass möglichst viele Bürger dieser Stadt aber auch unsere Gäste auf diese Weise zugleich auch eine kleine Ahnung davon erhalten, was das Multimediale Zeitalter, die Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts so für uns bereithält. Man diskutiert ja weltweit über die Möglichkeiten des Internet und anderer neuen Medien, vermutet Europa noch immer ein wenig im Hintertreffen gegenüber den schnellen Amerikanern und hofft auf die EU rechnet mit neuen Arbeitsplätzen in zweistelliger Millionenhöhe und derzeit werden uns einschlägig bewanderten Studenten aus den Hochschulen abgeworben noch ehe sie ihre Examina gemacht haben: hochdotierte Jobs winken dem, der Phantasie, Talent, Know-how hat und sich zum Risiko bekennt.

Man diskutiert über virtuelle Universitäten, die Verlage und Netzprovider erhoffen Geschäfte, der Steuerzahler Entlastung bei der Finanzierung von Hochschulbudgets durch preiswerte und - versteht sich - inhaltlich gehaltvolle, didaktisch exzellente Lehrkonserven. Berlin als Stadt des Wissens, muss es als vordringliche Aufgabe ansehen, Bildung, Ausbildung und Weiterbildung in eine Weise zu optimieren, dass man diese Stadt weltweit als die Metropole, als ein Muss für Qualifizierung auf allen Ebenen wahrnimmt, als den Ort, an dem man sich orientiert, wenn man über Trends und Entwicklungen auf diesem Sektor spricht. Es reicht eben nicht aus, zu Proklamieren, dass IuK ein Berliner Technologieschwerpunkt ist. Wir müssen dieses Worthülsen mit Inhalt füllen. Exzellente Potenziale haben wir allemal mit unseren drei Universitäten, 8 Fachhochschulen, 4 Kunsthochschulen und einer Fülle von ausseruniversitären Einrichtungen mit weltweit renomierten Experten auf fast allen für die moderne Wissensgesellschaft wichtigen Feldern. Es stellt sich aber die Frage, wie und wo wir unsere Potenziale positionieren müssen, um in Zukunft erfolgreich zu sein. "Forum Mediale" bietet hierfür reichlich Anschauungsmaterial und Diskussionsstoff.

Für Wissenschaft und Forschung in dieser Stadt von besonderer Bedeutung ist dabei das Thema Multimedia in der Lehre. Wenn man durchs Internet surft, so kann stößt man immer wieder auf sog. Scenarios. Bildungs- und Medienexperten etwa skizzieren solche für das Jahr 2005. Zitat: Dann werden Studenten nicht mehr nur zwischen staatlichen Hochschulen wählen. Im globalen Online-Bildungsmarkt werden private Bildungsanbieter und Corporate Universities dem staatlichen Angebot Konkurrenz machen. Kooperationen zwischen Hochschulen und Wirtschaftsunternehmen sowie Bildungs-Broker für individuelle Bildungsangebote werden neue Akzente in der Bildungslandschaft setzen. Sind unsere Berliner Hochschulen gut für diesen Wettbewerb gerüstet? - Ich meine, gewiss besser als dies die jüngsten Rankings glauben machen. Wenn es "Forum Mediale" gelingt, dieses Optimismus zu bestätigen, so ist die Veranstaltung ein Erfolg.

Ich wünsche den Veranstaltern aber auch, dass möglichst viele Besucher sich gleichzeitig vom Nutzen der Wissenschaft für unseren Alltag überzeugen lassen. Ich verbinde mit dieser Hoffnung den Dank insbesondere an die Investitionsbank Berlin, die als maßgeblicher Sponsor diese Veranstaltung möglich gemacht hat und Herrn Morgenroth, der sich für die Wissenschaft in dieser Stadt in einer für einen Banker gewiss ungewöhnlichen Weise engagiert. Natürlich ist auch Partner für Berlin mit dabei. Herr Sen. a. D. Hassemer, dem wir es wesentlich mit verdanken, wenn sich in Berlin jetzt so etwas wie ein Wissenschaftsmarketing entwickelt, wird uns nachher bei einem "virtuellen" Stadtrundgang durch das neue Berlin nach der Jahrtausendwende begleiten, auf den ich mich schon sehr freue.

Ihnen allen wünsche ich viel Spaß bei der heutigen Veranstaltung und gute Anregungen für Ihre künftige Arbeit durch das "Forum Mediale" des Forschungsmarkts Berlin.

Prof. Dr. Ingolf Hertel, e-Mail: Hertel@mbi-berlin.de

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