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Staatssekretär Prof. Dr. Ingolf V. Hertel: Berlin-Adlershof - Ein Stadtenwicklungsprojekt im Südosten der Bundeshauptstadt
Beitrag zu einer Podiumsdiskussion des Wissenschafts- und des Wirtschafts-Ausschusses der CDU Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, 18.02.1999

Der Wissenschafts- und Wirtschaftstandort Adlershof (WISTA) soll Spitzenforschung und Universitätsbetrieb, Technische Innovation und kreative Wirtschaftsunternehmen, aber auch urbanes Leben verbinden. Die Basis hierfür sind drei Standortsäulen: außeruniversitäre Forschung, universitäre Lehre und Forschung sowie forschungsorientierte Wirtschaftsunternehmen, die sich in einem urbanen Lebensraum begegnen. Jede dieser drei Säulen ist unverzichtbar für die am WISTA erhoffte Innovation und Kooperation.

Dabei ist die außeruniversitäre Forschung derzeit der gewichtigste, schon gut entwickelte Standortfaktor. Die Wirtschaft entwickelt sich gut. Die Humboldt-Universität hat mit der Informatik zum Wintersemester 1998/1999 ihren Lehr- und Forschungsbetrieb aufgenommen. Ihr soll die Mathematik baldmöglichst folgen. Der Grundstein für den Neubau der Chemie ist bereits im letzten Jahr gelegt worden, die Physik ist in der Planungsphase, und über das künftige Aussehen eines der wohl zentralsten Projekte des Standorts, des Informations- und Kommunikationszentrums Adlershof - einer modernen, zukunftsweisenden Mischung aus Bibliothek, Rechenzentrum, Begegnungsstätte und Informationsbörse ist gerade im Rahmen eines Architekturwettbewerbs entschieden worden.

Die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur bereitet z. Zt. eine Entscheidung des Berliner Senats und des Abgeordnetenhauses vor, die insgesamt zu einer deutlichen Beschleunigung des Umzuges führen soll. So werden die zwangsläufig zu erwartenden Beschwernisse des Umzugs für die Institute und Studenten der HU minimiert.

Je früher die Institute der Universität auf dem WISTA arbeiten können, desto eher wird die gewünschte Rückkopplung aus der Praxis auf die Lehre und Forschung erfolgen. Wir wollen hier einen kreativen Schmelztiegel für Innovation und Gründergeist schaffen.

Die Vision einer "Stadt für Wissenschaft und Wirtschaft Berlin-Adlershof" basiert auf einer ganzen Reihe von Beschlüssen des Abgeordnetenhauses und des Senats von Berlin. Kern des Projektes ist der seit 1992 von der WISTA-Management GmbH (WISTA-MG) entwickelte Standort für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und innovative Unternehmen mit hohem FuE-Anteil (ca. 76 ha) und die Ansiedlung der naturwissenschaftlichen Institute der Humboldt-Universität, für welche 1997 die finanziellen Rahmendaten vom Land Berlin endgültig festgelegt worden sind. Der Wissenschaftsrat hat die dafür vorgelegte Planung im November 1997 nachdrücklich empfohlen und die Kooperation aller Berliner Universitäten mit den hier verfügbaren Potentialen gefordert.

Die ersten Aufbauphasen des Standorts konnten inzwischen erfolgreich beendet werden, die städtebauliche Planung ist abgeschlossen und bereits weitgehend umgesetzt, auch die Planung der Hochschulbauten ist weit fortgeschritten. Der Standort tritt nun in eine qualitativ neue Phase und steht vor kritischer Herausforderung: Adlershof gerät mehr als je zuvor in den Blickpunkt einer breiten Öffentlichkeit und steht unter Erfolgszwang. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, daß Berlin hohe Erwartungen an Adlershof hat, aber die Welt nicht auf Adlershof wartet. Es gibt genügend hochentwickelte Technologieparks in deren Konkurrenz Adlershof sich erst positionieren muß. Dazu genügt es nicht, auf Zukunftsvisionen zu verweisen. Für Investoren ist entscheidend, welche Infrastruktur und welche Leistungen und thematischen Konfigurationen sie jetzt vorfinden. Adlershof muß einen konkurrenzfähigen Standard jetzt bieten und Perspektiven, die sich von anderen Standorten unterscheiden.

Die Betreiberin, die WISTA Management GmbH muß ihr Konzept glaubwürdig vermitteln und darf sich nicht lediglich als Geländeverwalter verstehen, sondern als Motor der Entwicklung. Das Infrastrukturangebot kann nicht von der Bereitschaft der gegenwärtigen Nutzer zur Mitfinanzierung abhängig gemacht werden, sondern muß unabhängig davon vorgehalten werden. Wir brauchen jetzt das, was wir Kooperationsmanagement nennen wollen:

Es geht darum, jetzt die erhoffte neue Unternehmens- und Forschungskultur systematisch zu entwickeln und zu pflegen, die auf Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft baut und auf eine Verknüpfung von Forschung, Lehre und Entwicklung in enger räumlicher Nachbarschaft. Stimuliert werden soll der Transfer von Ideen, Entdeckungen und neuen Konzepten über die Köpfe. Eine praxisnahe Ausbildung soll im Verbund von Universität, Unternehmen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ermöglicht werden. Die am Standort verfügbaren Ressourcen sollen in Lehre, Forschung und Entwicklung gemeinsam genutzt werden. Gleichzeitig soll der WISTA dazu beitragen, die vielfältigen Potentiale der gesamten, hoch leistungsfähigen Berliner Forschungslandschaft zu bündeln, er soll Brücken zu den Märkten und F&E-Potentialen in Osteuropa schlagen und mittelfristig Keimzelle für 10.000 bis 30.000 intelligente Arbeitsplätze bilden.

Um diesem hohen Ziel gerecht werden zu können, muss eine deutliche Konzentration der Aktivitäten und Zuständigkeiten erfolgen ebenso wie eine Fokussierung auf inhaltliche Aspekte. Dies erfordert eine an internationalen Standards orientierte zukunftsweisende, inhaltlich konzeptionelle Planung für den Gesamtstandort, ein absolut professionelles Management auf dem WISTA und ein exzellentes Marketing für die gesamte "Stadt für Wissenschaft und Wirtschaft Adlershof".

  • Ziel der Berliner Wissenschaftspolitik für Adlershof ist es also, einen international herausragenden Wissenschaftsstandort zu entwickeln, ein Kompetenzzentrum auf ausgewählten Forschungsfeldern, wo sich die Netzwerkbildung mit der Wirtschaft zwanglos in einem urbanen Kontext entwickelt und wo die praxisoffenheit akademischer Lehre ebenso wie Gründergeist beim wissenschaftlichen Nachwuchs zur selbstverständlichen Lebensform wird. Hierzu müssen alle derzeit noch bestehenden Hemmnisse zügig abgebaut werden. Dies erfordert zwingend, die Interessen und Aktivitäten aller Standortpartner zu bündeln und zu konzertiertem Handeln zu gelangen. Hierzu gehört der Aufbau einer sozialen Infrastruktur (von der abends geöffneten Eckkneipe bis zum Supermarkt) ebenso wie die rasche Verbesserung der Verkehrsanbindung, die perspektivisch ja einmal exzellent sein wird, bis hin zur Bereitstellung von Parkplätzen.
  • Vieles davon ist bereits erreicht, Adlershof ist ein unvergleichlicher Standort, welcher für Berlin und Deutschland Weichen stellt. Vieles ist noch zu tun. Packen wir es an.

Prof. Dr. Ingolf Hertel, email: hertel@mbi-berlin.de

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