1. Juli 1999 - 3 Jahre Wissenschaftsbüro der IGAFA: In Adlershof bündeln wir Ideen

Liebe Kollegen, meine Damen und Herren,

ich begrüße Sie herzlich in der Stadt für Wissenschaft und Wirtschaft, Berlin-Adlershof. Der heutige Tag steht unter dem Motto "Adlershofer Forschung Aktuell" und ist Teil der aktuellen, Berlin übergreifenden Initiative „Berliner WissensWerte", einer Plattform auf der sich in diesem Sommer erstmals Forschung, Technologie und Innovation aus den verschiedensten Bereichen und Einrichtungen der Berliner Wissenschaft, der Technologieentwicklung und der Politik einem breiten Publikum möglichst anschaulich präsentieren wollen. Es geht um ein Public-Understanding of Science and Humanities - PUSH - wie es die Präsidenten der großen deutschen Wissenschaftsorganisationen gemeinsam mit dem Stifterverband kürzlich gefordert und gefördert haben. In Berlin, so hoffen wir, wird sich daraus so etwas wie eine Tradition des gemeinsamen Handelns für ein zukunftsweisendes „Wissenschafts-marketing" in und für Berlin entwickeln, in welches alle für dieses wichtige Feld in der deutschen Hauptstadt Verantwortlichen eingebunden sind. Die IGAFA und ihr Wissenschaftsbüro haben sich vom ersten Tage an dieser Aufgabe stets verpflichtet gesehen.

Dabei geht es, und ich wiederhole hier, was ich schon zum Auftakt der WissensWerte vor zwei Wochen sagte, unserer an raschem Konsum orientierten modernen Gesellschaft deutlich machen, dass „wirtschaftliche Prosperität und Lebensqualität auch und vor allem eine Funktion wissenschaftlicher Kreativität ist" (Manfred Erhardt). Dies ist, auch das gilt es zu verdeutlichen, keineswegs ein nach fiskalpolitischem Belieben kurzfristig regulierbarer, linearer Zusammenhang. Es kommt vielmehr darauf an, einen langen Atem für die Förderung von Wissenschaft und Forschung zu haben. Eine breit angelegte Grundlagenforschung ist Voraussetzung für das Gelingen, gleichwohl müssen wir den Blick auch stets für die konkrete Anwendung von Forschungsergebnissen offen halten und sie auch gezielt suchen und entsprechende Forschung fördern. Dies kann nur im Rahmen einer neuen Kultur der Netzwerke zwischen Forschern, Entwicklern und der produzierenden Industrie bis hin zum Markt geschehen, eine Kultur, die uns flexibel und rasch handlungsfähig macht. - Ich gebrauche dabei bewusst nicht das heute so modisch gewordene Wort „Wertschöpfungskette" sondern betone die Notwendigkeit der Netzwerkbildung. Für diese Strategie steht der Wissenschafts und Wirtschaftsstandort Berlin Adlershof, hierfür steht auch die IGAFA, steht das Wissenschaftsbüro, das vor drei Jahren gegründet wurde.

"In Adlershof bündeln wir Ideen", so hat es kürzlich der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen formuliert und er meinte damit die ganze Palette innovativer Projekte und Ideen, die hier am Standort in nächster Zeit realisiert werden: neue Forschungsergebnisse und Produktentwicklung ebenso wie neue Konzepte in der akademischen Lehre und intelligente Formen der Wissensvermittlung und der Kommunikation.

Ich erspare mir an dieser Stelle die einschlägige Standortlyrik und allgemeine Beteuerungen und will statt dessen vier konkrete Beispiele für Innovationsfelder ansprechen.

  1. Die heute vorgelegte dritte Auflage der IGAFA Informationsbroschüre über die Adlershofer Forschungseinrichtungen Forschen in Adlershof gibt Ihnen einen Überblick über den Stand der Entwicklung, über aktuelle Forschungsprojekte und über Ihre Ansprechpartner in Adlershof. Sie ist diesmal farbig ausgefallen und ich möchte dies nachdrücklich begrüßen. Bei aller Knappheit der verfügbaren Ressourcen muss auch die Wissenschaft - im Binnenverhältnis durchaus von schwarz-weißer Klarheit geprägt - Marketing an ihre potentiellen Adressaten anpassen. Und da diese ja nicht zuletzt auch in Wirtschaft und breiter Öffentlichkeit zu sehen sind, lohnt sich der Mehraufwand im Sinne von PUSH allemal.

    Natürlich wird es, dies hat das Wissenschaftsbüro zugesagt, in aller Kürze hiervon auch eine elektronische Fassung geben - zu besichtigen auf den Internetseiten der IGAFA unter http://www.igafa.de. Wir alle wissen, dass es in Zukunft entscheidend darauf ankommen wird, aus Daten Information und aus Information Wissen zu generieren und dies flexibel in einer am jeweiligen Bedarf orientierter Form aufbereitet verfügbar zu machen. Hierbei helfen uns die neuen Medien ganz entscheidend - wir sind aber noch weit davon entfernt, diese neuen Möglichkeiten umfassend zu nutzen. Einen guten Schritt auf dem Wege dahin illustriert das Virtuelle Adlershofjahrbuch 1998 von Manfred Ronzheimer. Hier wird in effizienter Weise all das vernetzt, was im vergangenen Jahr über den WISTA geredet, dokumentiert und kommentiert wurde - soweit es in elektronischer Form verfügbar ist. Ein schönes, lebendiges Beispiel für den Berliner Weg in die Informationsgesellschaft, eine Kostprobe für die Möglichkeiten, welche uns die neuen Medien für die künftige Vermittlung und Aufbereitung unseres Wissens bieten.

    Bald, so habe ich mir sagen lassen, wird auch diesmal wieder eine englisch sprachige Fassung von Forschen in Adlershof erscheinen. Das ist natürlich ganz, ganz wichtig, denn Adlershof ist voll in die internationale wissenschaftliche Community eingebunden.

  2. Adlershof soll ein Anziehungspunkt für Wissenschaftler, Entwickler und High-tech Experten aus aller Welt sein. Dies gilt nicht zuletzt auch für Studierende aus aller Welt und für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Daher gilt es hier, auch in der Lehre innovative Ansätze zu entwickeln, die ausländische Studierende aus Ost- und Westeuropa, aus Asien, Amerika und Afrika anziehen. Gut ausgebildete Wissenschaftler und Ingenieure, die sich hier vor Ort von der Leistungsfähigkeit unserer Wissenschaft und der Qualität des Lebens in dieser Stadt überzeugen konnten, sind die besten Botschafter für Berlin und für Deutschland.

    Wir wollen daher in Adlershof eine International Graduate School Adlershof einrichten, die auf ausgewählten, interdisziplinären Themenfeldern im Kontext der Adlershofer Forschungsschwerpunkte exzellent ausgebildet werden. Ohne jetzt schon Details zu verraten, kann ich Ihnen berichten, dass mir eine Arbeitsgruppe von Professoren der HU zusammen mit Prof. Scharwächter, dem neuen Geschäftsführer der WISTA MG, vor zwei Tagen einen ersten Entwurf für solch ein Konzept vorgelegt haben, welches eine sehr attraktive Keimzelle für eine solche Graduate School sein könnte. Es gilt dies jetzt noch weiter zu konkretisieren, sodass spätestens zum Wintersemester 2000 mit dem Beginn einer strukturierten Doktorandenausbildung (neben der eigentlichen Doktorarbeit) im Bereich Neue Materialien, also an der Schnittstelle zwischen Chemie, Physik, Biologie, Informatik begonnen werden kann. Die Kurse werden selbstverständlich in englischer Sprache stattfinden und auch Blockkurse in Betriebswirtschaft und zum Thema Unternehmensgründung umfassen.

    Natürlich ist dieses Konzept offen für weitere interdisziplinäre Themenfelder, etwa für Bio-Informatik oder für Optische Technologien. Beteiligen sollen sich Wissenschaftler aller Universitäten und aller Adlershofer Forschungsinstitute. Sie wissen ja, dass es nicht zuletzt der Wissenschaftsrat war, der die Einbindung aller Berliner Universitäten in das Projekt Adlershof nachdrücklich gefordert hat. Dieses Konzept unterstützt die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur nachdrücklich. Auch eine bescheidene aber ggf. sehr wirksame finanzielle Unterstützung für die Graduate School wollen wir mit dem Haushalt 2000 realisieren. Senator Radunski unterstützt diese Haushaltsanmeldung ganz persönlich mit Nachdruck.

  3. Wir brauchen eine deutlichere Profilierung und Konzentration der vielfältigen Potenziale der Berliner Wissenschaftslandschaft. Wir brauchen ein konzertiertes Handeln zur Bildung wirklich herausragender Kompetenzzentren. Der institutionelle Aufbau der Berliner Wissenschaft nach der deutschen Wende ist weitgehend vollzogen und auch gelungen. Nun gilt es, verstärkt diese inhaltliche Differenzierung und Qualifizierung zu gestalten. Nur konzertiertes, kohärentes und abgestimmtes Handeln der Akteure wird wissenschaftliche Exzellenz in Berlin auf eine solide, breite Basis stellen und so auch für die technologische Entwicklung und für die wirtschaftliche Prosperität der Stadt ertragreich sein. Entsprechends gilt natürlich auch für die Geistes- und Sozialwissenschaften in der deutschen Hauptstadt. Ein Instrument für diesen Prozess haben wir inzwischen berlinweit mit dem Strategieforum Wissenschaft, Forschung und Innovation geschaffen. In Adlershof haben sich die in der IGAFA zusammengeschlossenen Institute von Anfang an auf einen wohl definierte Palette von Forschungsschwerpunkten verständigt.

    Die hier verfolgten Themen Neue Materialien und Verfahren, Photonik und optische Technologien, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Umwelttechnologie entwickeln sich in der Tat immer mehr zu zentralen Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Sie werden als solche die gesamte Wissenschafts- und Wirtschaftslandschaft Berlins mitprägen. Mit der Errichtung von Innovationszentren durch die WISTA-MG für jeweils in diesen Bereichen arbeitende Firmen konnten diese Schwerpunkte auch für die Wirtschaft Leittehmen, Synergien können erschlossen werden und Adlershof hat damit in der Aussendarstellung ein unvrkennbares Profil.

  4. Ein weiteres Schlüsselprojekt für die zu entwickelnde neue Kommunikationskultur, war schon seit 1993 die gemeinsame Errichtung eines Informations- und Kommunikationszentrums Adlershof (IKA) durch die Humboldt Universität, die IGAFA und die WISTA Management GmbH. Entstehen soll am Forum der HU, im Herzen des gesamten WISTA Areals, eine Kombination aus klassischer Bibliothek und Rechenzentrum, ergänzt durch Kommunikationsbereiche, audiovisuelle Medienzentrale, Ausstellungs- und Begegnungs-zentrum. Mit dem erfolgreichen Abschluß des Architekturwettbewerbs im Frühjahr diese Jahres sind dafür die Weichen endgültig gestellt. Der Entwurf des Architekten Daniel Gössler verbindet sensibel bestehende und neue Bauelemente. Ich gehe fest davon aus, dass wir eine allseits befriedigende Bauplanungsunterlage noch im Frühherbst d.J. vorliegen haben und Anfang 2000 mit dem Bau beginnen können. Dabei geht es freilich keineswegs nur um eine bauliche Hülle. - So wichtig diese selbst im Zeitalter der Medien und Datennetze auch ist, als Ort der Verfügbarkeit von technischer Infrastruktur ebenso wie für eine kompetente, schnelle Beratung, für die Vorhaltung umfangreiche Bücherbestände, für Bildschirmarbeitsplätze und Lesesäale ebenso wie für Begegnung und Kommunikation von Menschen. Es geht aber natürlich auch um die inhaltliche, zeitgemäße Gestaltung eines solchen Zentrums.

    Einen Baustein, den ich mir hier sehr gut angesiedelt und aufgehoben denken kann, wäre der Berliner Wissenschaftsserver science.berlin.de, den wir in den kommenden Wochen der Öffentlichkeit vorstellen wollen. In einer ersten Rohfassung werden hier zunächst statische Daten präsentiert. Wir wollen dies aber baldmöglichst mit einer umfassenden Berliner Wissenschaftsdatenbank hinterlegen, die - ganz im Sinne der schon unter 1. und 2. skizzierten Gedanken - berlinweites Wissen ordnet, aufbereitet, umfassend zugänglich macht und vermarktet. Dies muss natürlich eine dezentral organisierte Plattform sein, welche durch Links auf all das schon vorhandene Know-how zurückgreifen kann und es intelligent verknüpft. Dennoch wird ein Minimum an Pflege erforderlich sein, um eben diese Links aktuell zu halten und die dezentrale Dateneinspeisung zu koordinieren und zu pflegen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Wissenschaftsbüro der IGAFA hierbei eine wichtige Rolle übernehmen kann.

In Adlershof bündeln wir IDEEN. Eine inzwischen erwiesenermaßen gute Idee war die Gründung der Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Adlershof, kurz IGAFA im Jahr 1992 und die Errichtung des Wissenschaftsbüros Adlershof im Juni 1996. Die damit ins Leben gerufene Anlaufsstelle schaffte die wichtigste Voraussetzung für eine stabile interne Vernetzung der Forschungs-institute. Darüber hinaus etablierte sich das Wissenschaftsbüro als Informations- und Serviceeinrichtung im Bereich Wissenschaft und als Ansprechpartner für alle Interessenten an der Adlershofer Forschung. Auch für meine Verwaltung ist das Wissenschaftsbüro inzwischen nicht nur zu eine zentralen Kontaktadresse in Sachen Adlershof geworden sondern auch zu einer unverzichtbaren Aufbereitungs- und Clearingstelle für 1001 Problemfälle aller Art.

An dieser Stelle verdient in erster Linie die kleine aber höchst effiziente Mannschaft (eigentlich eine Frauschaft) des Wissenschaftsbüros höchste Anerkennung, Lob und Dank. Frau Dr. Westphal und ihren Mitarbeiterinnen ist es gelungen, das Wissenschaftsbüro durch flexibles, wie man heute sagt: kundenorientieres Handeln, durch ein Höchstmaß an Engagement, mit Kompetenz und Geschick auf vielen Ebenen als absolut verlässlicher Partner und wirkungsvoller Dienstleister zu etablieren. Besonders beeindruckt hat mich dabei auch das Talent von Frau Westphal, immer wieder fleißige und geschickte Praktikantinnen einzufangen, sinnvoll für die nie endende Arbeit einzusetzen und dabei gleichzeitig exzellent auszubilden. Herr Kollege Jähnichen wird all dies gewiss noch im Einzelnen darstellen. Ihnen Frau Westphal, Frau Borst, Frau Schmidt und ihren Praktikantinnen nochmals herzlichen Dank, viel Freude und gutes Gelingen in den kommenden Jahren.